{"id":2354,"date":"2012-01-15T12:18:00","date_gmt":"2012-01-15T11:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/hb9id.ch\/?p=2354"},"modified":"2026-03-24T13:57:05","modified_gmt":"2026-03-24T12:57:05","slug":"archivbericht-die-geschichte-der-iddaburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hb9id.ch\/index.php\/2012\/01\/15\/archivbericht-die-geschichte-der-iddaburg\/","title":{"rendered":"Archivbericht: Die Geschichte der Iddaburg"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Urspr\u00fcnglich ver\u00f6ffentlicht auf funkverein-pegasus.ch im Juni 2012<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">St. Iddaburg &#8211; Wallfahrtsort zur heiligen Idda &#8211; Einst und Jetzt<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verfa\u00dft von<br>Anton Restle, Pfarrer, Wallfahrtspriester.<br>Zweite Auflage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1908 Verlag von Joh. Kilian B\u00e4chtiger, Wallfahrtspriester auf St. Iddaburg ob G\u00e4hwil.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Ein Weib, das den Herrn f\u00fcrchtet,<br>das wird gelobt werden.&#8220;<\/em><br>Sprichw. S. 31,30.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es str\u00f6men das Jahr \u00fcber, besonders in den Sommermonaten, hunderte von Pilgern, Ausfl\u00fcglern und Touristen auf die Iddaburg, teils um zu beten oder sonst f\u00fcr ihr Seelenheil zu sorgen, teils um die herrliche Aussicht zu genie\u00dfen, oder auch, um einen geschichtlich denkw\u00fcrdigen Ort zu besuchen. Viele von ihnen wissen aber von der Iddaburg, auch Iddaberg, oder von dem alten eigentlichen Namen &#8222;Toggenburg&#8220; nicht viel mehr, als was sie sehen. Sie haben aber gewi\u00df Freude daran, von diesem zweifach ber\u00fchmten Orte wenigstens das Wichtigste zu erfahren. Durch diese Bl\u00e4tter sollen sie Gelegenheit hiezu haben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>I. Die alte Toggenburg.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die alte Toggenburg war da erbaut, wo jetzt das Pilgerhaus oder die Herberge steht, auf dem h\u00f6chsten und breitesten Teile des aus Nagelfluh und Leber bestehenden und auf allen Seiten steil abfallenden, aber immer noch bewaldeten Felsens. Das Plateau mi\u00dft auf der westlichen Seite, da wo die Burg stand, nicht mehr als 85 Schritte, es verj\u00fcngt sich aber auf 50 Schritte zu 38, und nochmals nach 60 Schritten zu 12 bis 10 Schritte. Der ganze ebene R\u00fccken der H\u00f6he betr\u00e4gt beil\u00e4ufig 200 Schritte in die L\u00e4nge. Die letzte Zugbr\u00fccke befand sich da, wo jetzt die Kapelle steht. Hundertundf\u00fcnfzig Schritte \u00f6stlich war ebenfalls eine solche und oberhalb stand ein Wachtturm, dessen Grundmauern jetzt noch vorhanden sind. Der R\u00fccken des Felsens zieht sich von West nach Ost, liegt 971 Meter \u00fcber Meer und ist weiter abw\u00e4rts gegen Osten an manchen Stellen so schmal, da\u00df neben den Felszacken noch knapp ein Str\u00e4\u00dfchen Platz findet. Da der Felsen von Leber durchzogen ist, findet sich in geringer Tiefe schon hinl\u00e4nglich Wasser. Von der alten Toggenburg ist nur noch ein etliche Kubikmeter gro\u00dfes, herabgest\u00fcrztes Mauerst\u00fcck \u00fcbrig und an zwei Stellen Grundmauern von Wachtt\u00fcrmen. Der gr\u00f6\u00dfere Teil der Mauern st\u00fcrzte ohne Zweifel den Berg hinab in die Tiefe und der noch \u00fcbrige Teil wurde zum Baue der Kirche in dem eine halbe Stunde im Tale gelegenen Dorfe G\u00e4hwil, im vorigen Jahrhundert, und dann in den letzten sechziger Jahren zum Baue des Priesterhauses und der Herberge daselbst verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abt Joachim aus dem Kloster Fischingen hat im Jahre 1560 ein B\u00fcchlein \u00fcber die Toggenburg und die heilige Idda geschrieben. Er sagt, da\u00df er dessen geschichtlichen Inhalt aus dem, vom Dekan des Klosters Einsiedeln, Pater Albrecht von Bonnstetten im Jahre 1481 aus verblichener, deutscher Sprache ins Lateinische, und f\u00fcnf Jahe sp\u00e4ter ins Deutsche \u00fcbertragenen, und dem Kloster Magdenau gewidmeten Buche \u00fcber die heilige Idda gesch\u00f6pft habe. Wenn die angef\u00fchrte Schrift \u00fcber die heilige Idda schon im Jahre 1481 eine verblichene war, so reicht ihr Ursprung wohl nahe an die heilige Idda selbst heran; denn diese habe im Jahre 1179 an den Grafen von Toggenburg sich verehelicht und lebte jedenfalls noch weit in das 12. Jahrhundert hinein. Au\u00dferdem habe Abt Joachim aus dem &#8222;Leben der heiligen Idda von dem gottseligen Pater Petrus Canisius&#8220;, der 104 Jahre nach Pater Albrecht von Bonnstetten schrieb, und andern gesch\u00f6pft und ebenso aus den alten Schriften des Klosters, in welchem die heilige Idda selbst sp\u00e4ter gelebt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00f6gen nun neuere Schriftsteller und Geschichtsschreiber das, was von der heiligen Idda gesagt wird, immerhin anzweifeln, sie haben f\u00fcr ihre Zweifel keine so starke und alte Beweise als die Schriftsteller \u00fcber die heilige Idda f\u00fcr die Wahrheit dessen haben, was sie von ihr schreiben. Auch b\u00fcrgt der Name des Pater Albrecht von Bonnstetten hinl\u00e4nglich f\u00fcr die Wahrheit dessen, was er schreibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem bekr\u00e4ftigen die W\u00fcrde, die Autorit\u00e4t und der gro\u00dfe Ruhm des seligen Pater Petrus Canisius, was dieser \u00fcber den Wohnort, das Leben, Leiden und Wirken, \u00fcber die Tugendhaftigkeit und Verehrung der heiligen Idda der Nachwelt hinterlassen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was sodann die Grafschaft Toggenburg anbetrifft, so sagt Abt Joachim: Es existiere eine alte, gedruckte schw\u00e4bische Chronik, aus welcher er gesch\u00f6pft habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus diesem B\u00fcchlein nun von Abt Joachim, geschrieben im Jahre 1660, welcher so alte und zuverl\u00e4ssige Quellen zur Hand hatte, ist der nachfolgende geschichtliche Inhalt \u00fcber die Toggenburg und die heilige Idda entnommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um das Jahr 170 nach Christi Geburt soll ein vornehmer, christlicher R\u00f6mer, namens Curius, der Christenverfolgungen wegen samt seinem Gesinde aus Rom und Italien entflohen und zuerst ins B\u00fcndnerland gekommen sein. Sp\u00e4ter sei er an den Ort gekommen, der jetzt Iddaburg hei\u00dft, und habe daselbst eine Behausung oder Burg gebaut, die er seiner Gemahlin zu Ehren, welche Dokha hie\u00df, Toggenburg benannte. Seine Nachkommen oder Nachfolger erhielten den Titel Grafen von Toggenburg nat\u00fcrlich erst sp\u00e4ter in der Kaiserzeit. Ohne Zweifel haben sie sich im Heerbanne der Kaiser durch ihre Tapferkeit oder durch Brauchbarkeit in Reichsgesch\u00e4ften ausgezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Burg mu\u00df au\u00dferordentlich fest und wegen ihrer Lage als uneinnehmbar gegolten haben und dennoch wurde sie schon im Jahre 1289 zerst\u00f6rt und nicht mehr aufgebaut. Die Toggenburg ging in der ersten H\u00e4lfte des 13. Jahrhunderts unter dem m\u00e4chtigsten, aber auch rohesten Grafen Diethelm III., dem Bruderm\u00f6rder, kriegsrechtlich in den Besitz der \u00c4bte von St. Gallen \u00fcber. Im Jahre 1289 bekriegte Kaiser Rudolf den damaligen Abt von St. Gallen, Wilhelm von Montfort, und nahm ihm alle Besitzungen weg. Abt Wilhelm hatte sich auf der alten, uneinnehmbaren Toggenburg festgesetzt. Allein er wurde nach und nach von den Seinigen verlassen, er selbst floh und so wurde die Burg von den Kaiserlichen ohne Schwertstreich genommen und verbrannt und nie mehr aufgebaut. Der Geschichtsschreiber Pater Ildephons von Arx schreibt hier\u00fcber folgendes:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;An die unbezwingliche alte Toggenburg, in welcher Wilhelm sa\u00df, wagten sich die Feinde nicht; die habsburgischen Beamten hofften, dieselbe auf einem leichtern Wege, n\u00e4mlich durch \u00dcberredung oder Bestechung zu bekommen. Sie stellten darum dem Abte vor, wie er sich leicht durch seine Abdankung aus seiner Verlegenheit ziehen k\u00f6nnte, und versprachen ihm, wenn er es tun w\u00fcrde, vieles daf\u00fcr; aber Wilhelm schluges aus, und beteuerte hoch, da\u00df die Weise, wie ihn der Kaiser behandle, wider Gott, wider Ehre und wider Recht w\u00e4re. Sie wandten sich darauf an die Edelleute, welche mit dem Abte im Schlosse lagen und verf\u00fchrten selbe leicht, weil sie schon lange aus der Reichsacht und in den Besitz ihrer G\u00fcter zu kommen gew\u00fcnscht hatten. Da es ihnen aber wegen der Anh\u00e4nglichkeit, welche die unadeligen Knechte gegen den Abt trugen, nicht w\u00fcrde m\u00f6glich gewesen sein, den Habsburgern das Schlo\u00df zu \u00fcbergeben, fingen sie geflissentlich bald mit diesem, bald mit jenem Streit an, so da\u00df einer nach dem andern aus Verdru\u00df das Schlo\u00df verlie\u00df, und sie so die st\u00e4rkern wurden. Als sie dieses zuwegen gebracht hatten, erkl\u00e4rten sie dem Abte mit d\u00fcrren Worten, da\u00df, wenn er die Burg nicht geschwind verlie\u00dfe, er nicht wissen m\u00f6chte, wann er w\u00fcrde ergriffen werden. Wilhelm so verraten, verlie\u00df in derselben Nacht, im Jahre 1289, das Schlo\u00df, nur von seinem K\u00e4mmerer Heinrich von G\u00fcttlingen, und einem Bedienten begleitet, begab sich nach Au, bei Grie\u00dfenberg an der Thur, und von dort nach Sigmaringen in Schwaben, in das Schlo\u00df seines Bruders Heinrich. Als er aber da nicht sicher war, floh er zu seinem andern Bruder nach Bregenz; und da auch diese wegen ihm vom Kaiser bedroht wurde, r\u00e4umte ihm sein dritter Bruder Heinrich das Schlo\u00df Aspermont in B\u00fcndten (Graub\u00fcnden) als einen Zufluchtsort ein. Die Einnahme der alten Toggenburg sah man damals als eine sehr wichtige Eroberung an, die man in Chroniken zum Ruhme des kaiserlichen Prinzen Rudolf anmerken mu\u00dfte; sie ward aber dessenungeachtet verbrannt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grafen von Toggenburg wohnten l\u00e4ngst in anderen Schl\u00f6ssern, in L\u00fctisburg, Neutoggenburg, Renggenswil etc., ihre Besitzungen waren ja gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>II. Die Grafen von Toggenburg.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne Zweifel war die Toggenburg schon von Anfang an, also seit Ende des zweiten Jahrhunderts, stetsfort bewohnt, wenngleich ihre Besitzer noch kein ber\u00fchmtes Geschlecht stellten, so da\u00df es in der Geschichte einen Namen hatte. Aus diesem Grunde kann es nicht weiter, als bis gegen Ende des elften Jahrhunderts verfolgt werden und auch hier finden sich nur sp\u00e4rliche Nachrichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. Die ersten Namen begegnen uns in Volkhard und Diethelm. Die Reichenauer Chronik erz\u00e4hlt, da\u00df Volkhard im Jahre 1081 auf der Burg Bernegg von den Soldaten Abt Ulrichs III. zu St. Gallen sei erschlagen worden. Im Jahre 1083 wollte sein Bruder Diethelm mit Hilfe des Abtes Ekhard von Reichenau sich r\u00e4chen. Allein er vermochte es nicht; vielmehr wurde ihm Neutoggenburg bei Lichtensteig abgenommen und verbrannt. Auch in der f\u00fcrstlichen Abtei St. Gallen finden sich die Namen dieser zwei Br\u00fcder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. Theodolinus und Diethelm I., regierten um 1120.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. Graf Albrecht, um das Jahr 1160, befand sich 1165 bei einem Turnier in Z\u00fcrich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4. Wernherr, Sohn Albrechts, war Abt zu Einsiedeln von 1171 bis 1190.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5. Heinrich der Vielumstrittene, Gemahl der heiligen Idda, habe sich im Jahre 1179 bei einem Turnier in K\u00f6ln befunden und in eben diesem Jahre dei heilige Idda heimgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6. Diethelm II., der \u00e4ltere, habe das Johanniterhaus zu Buebikon gestiftet. Er starb 1207 und wurde dortselbst begraben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">7. Friedrich I. und Diethelm III., der j\u00fcngere. Sie waren ungleiche S\u00f6hne von Diethelm II. Friedrich war sehr gut und bereitete seinen Eltern viele Freuden. Er war noch unverheiratet. Diethelm hatte eine Frau aus Neuenburg und viele Kinder. Er war der Schrecken seiner Eltern, legte seinen eigenen Vater in Ketten und scho\u00df auf seine Mutter einen Pfeil ab. Friedrich war der Besitzer von Wil und der Toggenburg. Diethelm h\u00e4tte lieber alles allein besessen, obgleich seine Besitzungen schon sehr ausgedehnt waren. Er beschlo\u00df deshalb auf Anstiften seiner Frau, seinen Bruder Friedrich aus dem Wege zu r\u00e4umen. Er lud ihn listiger Weise zu sich nach Renggerswil, woselbst er ihn durch seinen Diener ermorden lie\u00df. Er kam in den Bann und in die Reichsacht. Toggenburg und Wil schenkte sein Vater dem Kloster St. Gallen. Zu Gericht gezogen, ver\u00fcbte er den einen Eid- und Treubruch um den andern gegen den Kaiser und seine Standesgenossen, wurde aber auch allgemein verabscheut. Conrad von Bu\u00dfnang, der n\u00e4chste Abt zu St. Gallen, nahm sich des alten Vaters kr\u00e4ftig an, und sch\u00fctzte ihn auf jegliche Art gegen die Vergewaltigung seines Sohnes. Diethelm II. starb vor Gram und ebenso seine Gemahlin Gutha.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diethelm III. soll, vielleicht zur Bu\u00dfe, das Ritterhaus Tobel gegr\u00fcndet haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">8. Wilhelm I. und Friedrich II., Hermann oder Hartmann und Krasto, S\u00f6hne von Diethelm III. Der Graf Krasto hat aus Rache den Abt von St. Gallen bekriegt. Er war der erste Advokat aus dem Hause Toggenburg. Er wurde 1270 von einem reisigen Knechte, dessen Bruder vorher aufgeh\u00e4ngt worden war, aus einem Hinterhalt erstochen. Dieser Graf hatte fast alles Holz zu dem Augustinerkloster in Z\u00fcrich geschenkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein Bruder Hartmann nahm 1239 dem Abte Walter von St. Gallen Wil ab, und f\u00fchrte auch Krieg wider Abt Berchtold, 1244.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Friedrich war besonders mit K\u00f6nig Rudolf befreundet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">9. Friedrich III. und Diethelm IV. um 1283. Sie waren Br\u00fcder, beide S\u00f6hne von Krasto. Friedrich hat im Jahre 1277 dem Kloster Magdenau einen Hof zu Hemberg vergabt und Diethelm war der zweite Advokat des Klosters Fischingen aus dem Toggenburgischen Grafengeschlechte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">10. Ege (Eglon oder Egilmus) diente als Hauptmann unter dem ersten \u00f6sterreichischen Herzog gegen die Z\u00fcrcher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">11. Wernherr und Eglin (Eggli, Eglolfus), dieser war Hauptmann bei den Z\u00fcrchern in der Schlacht bei Winterthur, 1292.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">12. Freidrich IV. um 1300. Da Wil zerst\u00f6rt wurde, hielt er zu K\u00f6nig Rudolf. Sein Bruder Krasto war Probst am Gro\u00dfm\u00fcnster in Z\u00fcrich und Domherr zu Konstanz. Er kaufte mit seinem Bruder Diethelm V. das Schlo\u00df und die Vogtei Wildenhaus von den Freiherren von Sax. Seine Gemahlin, eine Freifrau von Vaz, schenkte ihm zwei S\u00f6hne, Donat und Diethelm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein anderer Graf Friedrich, ebenfalls Domherr von Konstanz, machte mit dem obengenannten Grafen Krasto mehrere Schenkungen an das Kloster Magdenau um 1330. Dieser Letztere, Probst in Z\u00fcrich, spendete f\u00fcr sein und seiner Vorfahren Seelenheil ebendaselbst 20 Mark Silber und einen Hof zu Niederuzwil; ebenso stiftete er daselbst 1337 eine Pfrund, damit die Klosterfrauen t\u00e4glich eine heilige Messe anh\u00f6ren k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">13. Diethelm VI. Er war Z\u00fcrcherhauptmann, wurde in einer Schlacht gefangen und in Rapperswil 1337 get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">14. Im Jahre 1350 wurde ein Graf von Toggenburg, dessen Name unbekannt ist, in Z\u00fcrich bei einem Tumult am St. Mathisenabend von einem Fischer im See ertr\u00e4nkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">15. Donat I. und Diethelm VII., S\u00f6hne von Friedrich IV. (Siehe 12.) Sie kauften von den Edlen von Stra\u00dfburg die Feste Spiegelberg 1376. Erzherzog Leopold von \u00d6sterreich hat ihnen anno 1384 die Stadt Winterthur samt der Grafschaft Kyburg, hernach anno 1386 auch die Stadt B\u00fclach versetzt. Sie mu\u00dften demnach sehr reich sein. Im gleichen Jahre stifteten sie das Gotteshaus Sankt Anton zu Uznach und bestimmten, da\u00df sie allda begraben werden. Graf Donat war auch Herr im Pr\u00e4tigau und Davos. Er lie\u00df im Jahre 1383 am Mittwoch nach St. Mathisen unter der Linde zu Fischingen durch seinen tanneggischen Amtmann Gericht halten. Desgleichen anno 1389 zu Wil. Auch die Gr\u00e4fin Kunigunde von Montfort, Gr\u00e4fin zu Toggenburg, lie\u00df 1409 durch Konrad Gro\u00dfmann am Dienstag nach St. Hilari eine Gerichtssitzung abhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">16. Donat II. wurde 1386 zu Sempach erschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">17. Donat III. und Friedrich V., S\u00f6hne von Donat I. Sie sind die letzten Grafen von Toggenburg. Abt Kuno von St. Gallen schlo\u00df mit ihnen ein B\u00fcdnis. Graf Donat starb 1400 kinderlos. Sein Bruder Friedrich starb 1436 ebenfalls ohne Kinder und liegt zu R\u00fcti im Kloster begraben. Er hat die Grafschaft dem Freiherrn Petermann von Rarona hinterlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch sind einige Grafen von Toggenburg zu nennen, deren Lebensjahre aber nicht k\u00f6nnen angegeben werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">18. Berchtold, Rudolf und Friedrich waren Br\u00fcder. Sie haben dem Gotteshaus St.Johann Schenkungen gemacht, so z.B. in der Breitenau (Stein). Eben dasselbe tat Graf Thomas.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">19. Im Fischinger Totenbuch findet sich folgendes: &#8222;9. April starb Rudolf von Toggenburg ein Kind.&#8220; 18. November: &#8222;Es ist verschieden die Edelfraw Wiltburg von Toggenburg, Stifterin der Kirchen in der Awe (Au).&#8220; Weil aber die Kirche in der Au 1179, also zur Zeit der heilige Idda schon da gewesen ist, so folgt, da\u00df diese Gr\u00e4fin vor der heiligen Idda gelebt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was nun den Freiherrn Petermann von Rarona (Wallis), den Erben der toggenburgischen Grafschaft anbetrifft, so hatte er wenig Frieden. Er mu\u00df aber ein streitbarer Mann gewesen sein; denn er obsiegte. Im Jahre 1446, im alten Z\u00fcrcherkriege, haben Graf Jakob von L\u00fctzelstein, Graf Ludwig von Helfenstein, Hans von Rechberg etc., damals Kaiser Friedrichs III. Hauptleute \u00fcber die Besatzung von Z\u00fcrich, die Grafschaft Toggenburg anrennen wollen. Allein der Freiherr Petermann und die toggenburgischen Landleute haben sie zu Kirchberg, 5 Viertelstunden von der Toggenburg, \u00fcberfallen und viele vom Adel und den Soldaten erschlagen. Abt Joachim ist der Ansicht, da\u00df Kirchberg (im heutigen Bezirk Alttoggenburg) seinen Namen durch die heilige Idda erhalten habe, weil sie eine geborene Gr\u00e4fin von Kirchberg bei Ulm war, &#8212; was wohl der Fall sein wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Freiherr Petermann hatte die Grafschaft 30 Jahre inne. Nach ihm ging dieselbe mit allen Besitzungen an das Kloster St. Gallen \u00fcber, im Jahre 1468 um St. Thomas oder am 2. Juli anno 1469.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Soweit erz\u00e4hlt uns Abt Joachim von Fischingen die Geschichte der Toggenburger Grafen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist sicher, da\u00df dieselbe und die Taten dieser Grafen ein gro\u00dfes Buch ausmachten, wenn sie aufgezeichnet worden w\u00e4ren; allein in damaliger Zeit waren die Geschichtsschreiber und Chronisten seltener in deutschen Gauen und manches Aufgezeichnete und viele Urkunden gingen in den fortw\u00e4hrenden Fehden und in den vielen Br\u00e4nden verloren, so da\u00df das Gschichtsmaterial einzelner Geschlechter sehr sparsam ist. Ihre Geschichte mu\u00df fast nur aus Schl\u00fcssen, Mutma\u00dfungen und Sagen zusammengesetzt werden. Daher kommt es, da\u00df manche Geschichtswerke nicht zusammenstimmen. So scheint es, da\u00df die Geschichtsforscher von Graf Heinrich von Toggenburg, dem Gemahle der heiligen Idda nichts fanden, und darum k\u00f6nnen sie nicht an seine Existenz glauben. Nach von Arx aber soll sein Name im Turnierbuche von K\u00f6ln stehen im Jahre 1179 und das w\u00e4re eben das Jahr der Verehelichung mit der heiligen Idda.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter dem Volke jedoch besteht seit vielen Jahrhunderten der lebhafte Glaube an all das, was von der heiligen Idda gesagt wird. V\u00e4ter und M\u00fctter haben ihren Kindern und Enkeln den Ort immer gezeigt, wo die heilige Idda in die Tiefe gest\u00fcrzt wurde, den Ort, wo sie nachher in der Einsamkeit gelebt und das Grab, wo sie geruht. Die Iddabruderschaft, die seit 1580 besteht, das Kloster Fischingen, die bisch\u00f6fliche Curie zu Konstanz, viele Kl\u00f6ster und endlich Rom, das im Jahre 1724 die feierlicheVerehrung der heiligen Idda nach peinlich gewalteter Untersuchung gestattete &#8212; das alles sind uns hinl\u00e4ngliche Beweise von der Wahrheit dessen, was von der heiligen Idda gesagt wird, wenigstens der Hauptsache nach. Auch die Bolandisten halten fest an der Existenz der heiligen Idda von Toggenburg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>III. Die Genealogie der Grafen von Kirchberg.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grafen von Kirchberg hatten ihren Sitz zu Kirchberg, in der N\u00e4he der Reichshauptstadt Ulm. Zu ihrer Herrschaft geh\u00f6rte Dietenheim, Wertingen, Bellenberg etc. Aus diesem Geschlechte stammt die heilige Idda.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. Adam, Graf zu Kirchberg lebte um 941. Er befand sich in eben diesem Jahre an einem Turniere in Rotenburg an der Tauber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. Emprecht, ein Graf zu Kirchberg, befand sich im Jahre 1019 bei einem Turniere zu Trier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. Otto I. und Hartmann I. lebten um das Jahr 1130.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4. Wilhelm I. und Hermann, Br\u00fcder. Wilhelm war im Jahre 1164 bei einem Turniere zu Z\u00fcrich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5. Otto II. und Hartmann II., ebenfalls Br\u00fcder, lebten um 1171. Diese beiden haben 1089 oder 1099 das Kloster Wiblingen gestiftet. Sie mu\u00dften es aber in ihrer fr\u00fchesten Jugend getan haben und dazu sehr alt geworden sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6. St. Idda, Gr\u00e4fin zu Kirchberg, hat den Grafen Hartmann entweder zum Vater oder Wilhelm I. zum Gro\u00dfvater oder Ahnherrn gehabt. Sie wurde dem Grafen Heinrich von Toggenburg im Jahre 1179 angetraut. Sie mag damals um 20 Jahre ihres Alters gewesen und somit um das Jahr 1159 geboren worden sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hieher geh\u00f6rt auch Graf Wilhelm von Kirchberg, Wilhelm I. Enkel und St.Iddas Brudersohn, welcher um 1180 im Kloster zu Wiblingen ein gar gottseliges und heiliges Leben gef\u00fchrt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">7. Cadalocus um 1195.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">8. Wilhelm II. um 1120.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">9. Wilhelm III., des vorhergehenden Sohn um 1310. 1311 wohnte er einem Turniere in Ravensburg an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">10. Wilhelm IV. um 1374. Er war bei einem Turniere in E\u00dflingen am Nekar. Seine Gemahlin war die Herzogin Agnes von der Teck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">11. Seine S\u00f6hne Conrad I. und Eberhard I. Dieser wurde 1406 zum Bischof von Augsburg gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">12. Philipp I. Er war anno 1392 bei einem Turniere in Schaffhausen, ebenso soll er 1408 bei einem Turniere in Heilbronn gewesen sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">13. Conrad II. und Eberhard II. S\u00f6hne von Conrad I. Sie sollen nach M\u00fcnsterus um 1436 gelebt und einem Turniere in Stuttgart beigewohnt haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">14. Wilhelm V., der Sohn Conrad II. und einer Gr\u00e4fin von F\u00fcrstenberg. Weil aber bei einem Turniere in W\u00fcrzburg 1479 Grafen von Kirchberg sich befanden, deren Taufnamen aber fehlen, wird angenommen, da\u00df Wilhelm V. dabei gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">15. Johann und Philipp II., S\u00f6hne von Eberhard II. und eine Gr\u00e4fin von Wertheim. Sie sind die letzten Grafen von Kirchberg. Von Graf Johann wei\u00df unser Gew\u00e4hrsmann nichts zu sagen. Graf Philipp war anno 1481 bei einem Turniere zu Heidelberg am Nekar. Auch Graf Wilhelm, wohl V., war bei diesem Turniere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Petrus Canisius starb der letzte Kirchbergische Graf Philipp im Jahre 1510, und wurde im Gotteshause zu Wiblingen, allwo die Grafen von Kirchberg ihre Begr\u00e4bnisst\u00e4tte hatten, mit Schild und Helm bestattet. Abt Joachim schreibt: &#8222;Die Erzehlung von der gr\u00e4flichen Kirchbergischen Genealogie, welcher wir aus M\u00fcnstero und andern viel haben zusetzen m\u00fcssen, beschlie\u00dft: &#8212; Lazius lib. 8, fol. 151 &#8212; also: Dies hochadelige Geschlecht ist sehr ber\u00fchmt durch Iddam, eines Grafen von Toggenburg Gemahlin, die wegen Heiligkeit des Lebens und der geschehenen Wunderwerk in die Zahl der Heiligen gesetzt worden.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kirchbergische Herrschaft ging unter Karl V. und Ferdinand I. an die Fuggersche Familie \u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>IV. Die heilige Idda, Gr\u00e4fin von Toggenburg.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Ihre Jugend.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die heilige Idda stammt aus dem adeligen Geschlechte der Grafen von Kirchberg bei Ulm in Schwaben. Aus ihrer Jugend ist nichts bekannt, aber man darf mit Sicherheit annehmen, da\u00df sie brave, fromme Eltern hatte und da\u00df sie eine ihrem Stande gem\u00e4\u00dfe und durchaus christliche Erziehung geno\u00df, und da\u00df diese Erziehung die herrlichsten Fr\u00fcchte an ihr zeitigten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Brave christliche Eltern haben und gut erzogen werden, ist f\u00fcr Kinder ein Gl\u00fcck, das sie nie genug sch\u00e4tzen k\u00f6nnen und ist ein Werk, das nur im Himmel kann belohnt werden. Aber auch die Erde hat ihre Fr\u00fcchte davon, wenn nichts w\u00e4re als das gute Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter diesen g\u00fcnstigen Umst\u00e4nden wuchs und bl\u00fchte Idda heran zu einer Jungfrau, die einen Mann begl\u00fccken konnte; bl\u00fchend und duftend in ihrer k\u00f6rperlichen Sch\u00f6nheit und an ihrem Geiste, sch\u00f6n wie eine aufgehende Rose; unschuldig, bescheiden und tugendhaft an ihrer Seele, wie eine Jungfrau, die den Weg zur Heiligkeit schon betreten hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Die Verm\u00e4hlung der heiligen Idda.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mittelalter waren die adeligen Herren sehr kriegst\u00fcchtig und kriegslustig. Sie waren die Herren des Heerwesens, sie f\u00fchrten den gr\u00f6\u00dfern Herren, den K\u00f6nigen und dem Kaiser ihre F\u00e4hnlein, Ritter, Reiter, Knappen und Leibeigene zu, zum gro\u00dfen Heere. Sie lagen aber auch h\u00e4ufig einzeln einander gegen\u00fcber in Fehde. Die heute noch \u00fcbrigen Burgruinen beweisen uns, da\u00df jeder es auf seine eigene Sicherheit abgesehen hatte und da\u00df es damals viel mehr adelige Herren gab als heute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil sie nun so kampflustig waren und doch nicht immer im Kriege lagen, so hatten sie das Bed\u00fcrfnis, auch au\u00dfer der Kriegszeit zu k\u00e4mpfen. Sie verantstalteten deshalb an gr\u00f6\u00dferen Pl\u00e4tzen, haupts\u00e4chlich in St\u00e4dten, Kampfspiele, in welchen einzelne und bisweilen auch in Scharen mit stumpfen Lanzen und Schwertern, meist zu Pferde, sp\u00e4ter auch zu Fu\u00df, gek\u00e4mpft wurde. Da diese Waffenspiele oft t\u00f6tlichen Ausgang hatten, k\u00e4mpfte die Kirche stets dagegen. Sie wurden aber erst im 15. Jahrhundert harmloser und im Jahre 1559 ganz verboten, als der franz\u00f6sische K\u00f6nig Heinrich an einer Wunde starb, die er bei einem Turnier erhalten hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Turniere waren f\u00fcr die Ritter, ihre Angeh\u00f6rigen und das Volk gl\u00e4nzende Feste. Die Ritter erschienen zahlreich in ihren blankesten R\u00fcstungen, vom Fu\u00df bis \u00fcber den Kopf in gl\u00e4nzenden Stahl geh\u00fcllt, auf den Helmen wehten farbige Federbusche. Die Edelfr\u00e4ulein sahen dem Spiele von einer eigenen Trib\u00fcne aus zu und teilten am Schlusse die Preise aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein solches Turnier wurde auch im Jahre 1179 in K\u00f6ln gehalten, welchem Graf Heinrich von Toggenburg beiwohnte. Wahrscheinlich hat er sich im Kampfe ausgezeichnet und einen Preis erhalten, und die liebensw\u00fcrdige Idda, Gr\u00e4fin von Kirchberg, hat ihm denselben \u00fcberreicht. Bei dieser Gelegenheit machte sie einen \u00fcberw\u00e4ltigenden Eindruck auf ihn, da\u00df er um ihre Hand anhielt und nachdem er sie erhalten, sich mit ihr verlobte und sie noch im gleichen Jahre als sein teures Weib heimf\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es l\u00e4\u00dft sich leicht denken, da\u00df die Hochzeit in gl\u00e4nzendster Weise gefeiert wurde. Eine gro\u00dfe Zahl Ritter, Edelfrauen und Edelfr\u00e4ulein nahmen an ihr Teil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein stattlicher Zug von Rittern, Knappen und Dienern zog durch den Rabensteinerwald hinauf zur alten Toggenburg, der Uneinnehmbaren. Das Horn des W\u00e4chters auf dem Turme verk\u00fcndigte in freudigen T\u00f6nen weit hinaus nach allen Windrichtungen, da\u00df der Hochzeitszug des Schlo\u00dfherrn nahe und die Toggenburg wieder eine Herrin habe, und eine der lieblichsten, sch\u00f6nsten und besten. Die Zugbr\u00fccken fielen rasselnd nieder und Herr und Dame samt G\u00e4sten zogen auf schnaubenden Rossen jauchzend ein in die feste Burg, die nie ein feindlicher Fu\u00df betreten. Und der Burgherr f\u00fchrte seine junge Frau hinauf in den Rittersaal. Ihnen folgten die G\u00e4ste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem man sich bequem gemacht und einen Imbi\u00df genommen hatte, begleitete der Graf seine Gemahlin und die G\u00e4ste auf die Zinne des Hauses. Und was suchte da Idda zuerst? Die Heimat, die teure! Ihr Auge schweifte hin\u00fcber zu jener gl\u00e4nzenden Fl\u00e4che im Nordosten, \u00fcber den Bodensee und hinaus bis in die N\u00e4he ihrer geliebten Heimat. Eine Tr\u00e4ne entschwand ihren Augen; sie galt ihren Lieben und ihrer frohen Jugendzeit. Vielleicht pre\u00dfte eine dunkle Ahnung ihr Herz, als sie hinabsah in die schwindelnde Tiefe des Rabensteines.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber der Graf war eifrig bem\u00fcht, ihre Gem\u00fctsbewegung zu verscheuchen. Er zeigte ihr und den G\u00e4sten die ganze Herrlichkeit, die hier oben zu schauen ist. Zuerst seine Besitzungen, Schl\u00f6sser und H\u00f6fe in der Umgebung der Toggenburg bis Wil und dar\u00fcber hinaus, das Kloster St. Gallen und das von Fischingen, im lieblichen Tale zu F\u00fc\u00dfen der Toggenburg gelegen. Bei diesem letzteren Anblicke glitt ein heiteres L\u00e4cheln \u00fcber ihr Antlitz und ihr Auge haftete l\u00e4nger daselbst, gleich als h\u00e4tte es einen angenehmen Ruhepunkt gefunden. Wie oft mag sie in den kommenden Jahren sinnend und vielleicht ahnend hinabgeschaut haben, auf diese ihre einstige Heimat, wo sie ganz in Gott leben sollte. Aber welche Berge von Bitterkeit und Schwierigkeiten hatte sie bis dorthin zu \u00fcbersteigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber ihr Gemahl war unerm\u00fcdlich im Erkl\u00e4ren und sie mu\u00dfte ihm folgen. Er wies auf die T\u00e4ler und T\u00e4lchen, die er auf der Jagd durchziehe &#8212; auf die H\u00fcgel des Toggenburges &#8212; weiter hinaus auf Alpstein mit dem S\u00e4ntis, Kamor und Hohenkasten, den F\u00e4hndrich, G\u00e4bris und Kronberg, auf die Kurfirsten, die Vorarlberge, bis zum Hochvogel, des St. Galler Oberlandes, auf die schnee- und eisbedeckten Berge von Glarus (Vrenelis G\u00e4rtli), Schwyz, Uri und Unterwalden, auf die Firnen des Berner-Oberlandes mit Eiger, M\u00f6nch, Jungfrau, den Schreck- und Wetterh\u00f6rnern etc. und dann hinaus in die Ebene Basel zu und auf den Schwarzwald, mit seinen Tannenh\u00f6hen und unz\u00e4hligen D\u00f6rfern. Und dort aus der Rheinebene erheben Hohentwil und Hohenkr\u00e4hen ihre dunklen H\u00e4upter. Fast konnte der Graf im Erkl\u00e4ren kein Ende finden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entz\u00fcckt von diesem Anblicke und fast \u00fcbers\u00e4ttigt, kehrte man in den Burgsaal zur\u00fcck, nachdem Idda nochmals einen sehns\u00fcchtigen Blick nach ihrer Heimat und hinab auf das fromme Fischinger-Kloster geworfen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Beginn der tr\u00fcben Tage.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Idda und Graf Heinrich lebten in den gl\u00fccklichsten Verh\u00e4ltnissen, in wahrer, treuer, ehelicher Liebe. Wie lange, das wissen wir nicht, aber nehmen wir an, einige Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Graf hatte einen welschen Kammerdiener, der sich seiner besondern Gunst erfreute. Er war aber eine falsche Natter. In gl\u00fccklichen Umst\u00e4nden wachen die Leidenschaften des Menschen am meisten auf. Die M\u00e4chte der H\u00f6lle bedienen sich derselben, ihre Siege zu feiern. Bei schwachen und gebetslosen Menschen gelingt es ihnen, wenn nicht Gott in seiner unendlichen Erbarmung eingreift, dieselben so zum Falle zu bringen, da\u00df sie im Sturze auch andere mitrei\u00dfen. Darum haben Heilige so oft um Leiden gebetet und sie wurden wahrlich mit solchen gesegnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sch\u00f6nheit und Liebensw\u00fcrdigkeit der heiligen Idda machte einen solchen Eindruck auf diesen Menschen, da\u00df in seinem Herzen eine unordentliche Liebe zur Gr\u00e4fin aufkeimte und der Teufel, der Freund alles B\u00f6sen und der Feind alles Guten, fachte diese Glut zur auflodernden Flamme an. Der wohll\u00fcstige Mensch hat wohl die Leutseligkeit, Freundlichkeit und Liebensw\u00fcrdigkeit der Gr\u00e4fin mi\u00dfdeutet, wie es ja verdorbene Menschen zu tun pflegen. Sobald sie aber seine Absicht erkannte, da stand sie in heiliger Waffenr\u00fcstung mit m\u00e4nnlichem Mute auf dem Kampfplatze. Ihr Kampf war kurz, der Sieg aber entscheidend. Weiche von mir, Satan, war ihr Losungswort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie h\u00e4tte diesen schlechten Diener bei ihrem Gemahl anklagen k\u00f6nnen, aber ihre schonende Liebe lie\u00df das nicht zu. Sie dachte an Besserung des B\u00f6sewichts und betete. Allein, wie es bei solchen Menschen geht; seine unordentliche Liebe ging in Ha\u00df \u00fcber, er sann auf Rache, und hoffte Gelegenheit zu finden, seine Herrin bei ihrem Gemahl, bei dem er, wohl seiner Schmeicheleien wegen, soviel galt, in Ungnade bringen zu k\u00f6nnen. Wieder ein Gedanke der H\u00f6lle im B\u00fcndnisse mit menschlicher Leidenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>4. Idda in gro\u00dfer Verlegenheit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Feind, so gr\u00fcndlich aufs Haupt geschlagen, hat die Ausf\u00fchrung seiner Pl\u00e4ne nicht aufgeschoben, denn die nicht beherrschte Leidenschaft ist ungest\u00fcm und macht blind. Wenn der Graf keine Menschenkenntnisse besa\u00df &#8212; und er besa\u00df sie nicht, sonst h\u00e4tte er diesen falschen Menschen durchschaut, und nicht offene Augen, und er hatte sie nicht offen, sonst h\u00e4tte er diese Schlange beobachten k\u00f6nnen &#8212; dann ist es seinem gr\u00f6\u00dften Feinde gelungen, das Herz eines sonst edlen Grafen zu verbittern, und es von dem Herzen sogar abzubringen, das ihm so ganz zugetan war. Die heilige Idda konnte ihrem Gemahle gegen\u00fcber mit der heiligen Elisabetha, Landgr\u00e4fin von Th\u00fcringen, die zur gleichen Zeit gelebt, auch sagen: &#8222;Nichts habe ich auf Erden geliebt wie Dich.&#8220; Der Graf lie\u00df der heiligen Idda die Verbitterung seines Herzens f\u00fchlen und das schmerzte sie tiefer als jedes Leid. Nur ein Trost war ihr geblieben, das war aber auch der s\u00fc\u00dfeste, n\u00e4mlich die Reinigkeit des Gewissens und die Lauterkeit ihrer Absicht. Mit nassen Augen und gepre\u00dftem Herzen blickte sie oft hinaus nach ihrer Heimat, hinab zum Gotteshause Fischingen und hinauf zum Himmel, und Gott senkte s\u00fc\u00dfen Trost in das Herz seines treuen Kindes, das Er seine eigenen Wege f\u00fchren wollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der bereits geschn\u00fcrte Knoten zieht sich enger zusammen. Idda tat, was einsichtsvolle und besorgte Hausfrauen zu tun pflegen. Sie l\u00fcftete und sonnte eines hellen Tages ihre Kleider und Schmuckgegenst\u00e4nde auf offenem Erker der Burg. Auch ihr kostbarer Trauring war bei den Zieraten. In ihrer Abwesenheit kam ein diebischer Rabe, sah den gl\u00e4nzenden Ring, nahm ihn in seinen Schnabel und trug ihn in sein Nest. Das war F\u00fcgung oder Zulassung Gottes und wer wei\u00df, ob nicht auch der leidige Satan seine Hand im Spiele hatte, denn mit Zulassung Gottes kann er auch auf Tiere wirken, und sich derselben zu seinen Werkzeugen bedienen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Idda kam durch das Verschwinden des Ringes in die gr\u00f6\u00dfte Verlegenheit. Sie suchte und durchsuchte alles zehnmal, wie man zu tun pflegt, wenn man etwas Wertvolles verloren hat. Aber umsonst. Der Ring lie\u00df sich nicht finden. Was tun? Sie konnte nichts als beten. Ihrem Gemahle wollte sie unter den gegebenen Verh\u00e4ltnissen nichts sagen; denn sie hoffte, der Ring werde sich doch noch finden. &#8212; und er fand sich, aber seine Auffindung veranla\u00dfte eine \u00fcberaus traurige Wendung im Geschicke von vier Personen, aber eine segensreiche Folge f\u00fcr viele Menschen auf Jahrhunderte hinein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>5. Das Ringlein wird gefunden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der dichte und weitausgedehnte Rabensteinerwald barg eine Menge Wild. Nebst dem Kriegswesen war ja die Jagd eine Hautpbesch\u00e4ftigung der Ritter. Diese hatten auch ihre Leibj\u00e4ger, welche sie auf die Jagd begleiteten und die K\u00fcche mit Wildpret zu versehen hatten, wenn die Ritter selbst dem Waidwerke nicht obliegen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So hatte auch der Graf von Toggenburg einen Leibj\u00e4ger, der h\u00e4ufig die Gauen und W\u00e4lder durchstreifte. Er h\u00f6rte eines Tages, wohl nicht lange nach dem Verschwinden des Ringes, bei einem solchen Streifzuge, auf einer alten hohen Tanne das Gekr\u00e4chze von Raben, was er sonst oft geh\u00f6rt hat, aber sicherlich nicht jedesmal eine Tanne erkletterte. Diesmal hat er es getan. Warum? Es hat so sollen sein. Er griff in das Nest und zog den gl\u00e4nzenden Ring heraus, der ihm, ohne eine Ahnung von den Folgen zu haben, lieber war, als die jungen Raben. Er kannte den Ring nicht. Als kluger und treuer Diener h\u00e4tte er den Fund seinem Herrn mitteilen sollen, es w\u00e4re dann wahrscheinlich anders gekommen. Er hat es nicht getan. Er steckte ihn vielmehr an seinen Finger; aber der Ring stand ihm, dem armen Manne, nicht gut. Warum verschwieg er den Fund seinem Herrn, warum prahlte er mit ihm? Es mu\u00dfte nicht geschehen, aber es geschah. O Geheimnisse im menschlichen Leben!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>6. Der Sturz der heiligen Idda.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jubelnd \u00fcber den Fund, kehrte der J\u00e4ger in die Burg zur\u00fcck und zeigte der Dienerschaft und den Knappen den Ring. Niemand kannte ihn, alle verwunderten sich und &#8212; wie es geht, &#8212; sie fingen auch an zu &#8222;munkeln&#8220;. Endlich erblickte ihn auch der welsche Kammerdiener an der Hand des J\u00e4gers. Er erkannte ihn sofort und pl\u00f6tzlich stieg ein teuflischer Gedanke in seinem Herzen auf und ein satanisches Grinsen legte sich auf sein Gesicht. Jetzt ist die s\u00fc\u00dfe Stunde der Rache gekommen. Das war die gemeine Gesinnung dieses schlechten Herzens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er nahm die liebensw\u00fcrdigste Maske eines Heuchlers und Verderbers an, trat vor seinen Herrn, und stellte sich, als wolle er nichts als die Wahrheit und das Wohl seines Gebieters. Er stellte dem Grafen wiederum die Verd\u00e4chtigung vor, die er ihm \u00fcber die Gr\u00e4fin schon \u00f6fters vorgebracht hatte, und an die der Graf nie recht hatte glauben k\u00f6nnen. Jetzt aber sagte er in h\u00f6llischer Freude, liegen Beweise vor, gegen die nichts k\u00f6nne vorgebracht werden. Der verd\u00e4chtige J\u00e4ger trage den Trauring der Gr\u00e4fin \u00f6ffentlich am Finger. Er habe ihn offenbar von der Gr\u00e4fin erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Mitteilung versetzte den j\u00e4hzornigen Grafen in die h\u00f6chste Wut. Er ist seiner nicht mehr m\u00e4chtig. Wutschnaubend geht er im Gemache auf und ab, bald Leichenbl\u00e4sse auf seinem Antlitze, bald die rote Glut des Zornes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Eifersucht verzehrt ihn. Idda h\u00f6rt das W\u00fcten von ferne. Sie zittert vor Herzensangst, und in der Ahnung, da\u00df Schlimmes im Anzuge sei, richtet sie ihren Blick aufw\u00e4rts, wo sie allein Hilfe erwartet. Sie fleht knieend ihren Vater im Himmel um Hilfe an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Graf hatte den J\u00e4ger rufen lassen. Er sieht und erkennt den Ring an seiner Hand. Ohne ein Wort zu sagen, st\u00fcrzt der Graf wie ein Rasender in das Gemach der heiligen Idda, \u00fcberh\u00e4uft sie mit den erniedrigendsten Vorw\u00fcrfen. Idda fleht noch auf den Knieen, sie anzuh\u00f6ren, sie beteuert ihre Unschuld und ihre Liebe zu ihm. Es hilft alles nichts. Er umfa\u00dft sie, schleppt sie auf die Zinne des Schlosses und an den Rand derselben, und schleudert sie mit einem Fluche hinab in die grauenvolle Tiefe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>7. Folgen der unseligen Tat.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was jetzt? Der arme J\u00e4ger wu\u00dfte immer noch nicht, um was es sich handle. Aufgeregt und zitternd vor Wut, kam der M\u00f6rder seiner treuen Gemahlin &#8212; so darf man ihn nennen, denn es war nicht seine Schuld, da\u00df Idda nicht tot war &#8212; von der Burgzinne zur\u00fcck und diktierte sofort, ohne den J\u00e4ger vernommen zu haben, das Urteil; er solle einem der wildesten Pferde an den Schweif gebunden und zu Tode geschleift werden. Nach einer Sage soll er nach Leutenrieden, einem Weiler ob G\u00e4hwil geschleift worden sein. Vermutlich war dort die Richtst\u00e4tte.Und sein Befehl mu\u00dfte ohne Aufschub ausgef\u00fchrt werden und er wurde auch sofort ausgef\u00fchrt. Der Graf trug das Bewu\u00dftsein in sich, seine Gemahlin ums Leben gebracht zu haben. Fand er wohl je Ruhe? Mu\u00dfte ihm in ruhigen Stunden nicht das Gewissen vorwerfen, du bist ein M\u00f6rder deines eigenen Weibes. Strikter Beweise f\u00fcr ihre Schuld hatte er ja doch keine, vielmehr hatte er ja gar keine, denn er pflog keine Untersuchung. Wie, wenn die Beteuerung ihrer Unschuld Wahrheit war, wenn das ganze Benehmen der heiligen Idda nicht Heuchelei, sondern Aufrichtigkeit und Tugend war? Es mag sich nun verhalten so oder anders, die Tat ist geschehen, es ist zu sp\u00e4t sie zu \u00e4ndern. Der Graf wollte seine Gemahlin t\u00f6ten, und siehe, er verdarb sich selbst sein ganzes Leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mochten ihm auch allerlei Bedenken kommen, der sichtbare Teufel in seiner N\u00e4he, dem er blindlings nun einmal sein Vertrauen geschenkt hatte, redete ihm alles aus, suchte alle Gewissensbisse zu verscheuchen. Ob es ihm gelungen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und die heilige Idda? Ihre erprobte Tugend und ihr ebenso vertrauensvolles, als dem\u00fctiges Gebet blieb nicht unbelohnt. Der liebe Gott nahm sie gleichsam aus den Armen des j\u00e4hzornigen und seiner nicht mehr m\u00e4chtigen Grafen und trug sie durch ihren Engel sanft in die Tiefe des Rabensteinerwaldes. Sie kam g\u00e4nzlich unverletzt unten an. Und da sie der liebe Gott in seinen Armen hielt, da sprach sie zu Ihm: ich will von nun an Dein sein, ganz allein Dein. &#8212; Unten kniete sie nieder, dankte Gott von Herzen und verlobte sich Ihm auf ein Neues. Dann erhob sie sich eilends, verlie\u00df diesen Ort des Verbrechens und wand sich durch das Dickicht des Waldes dem &#8222;H\u00f6rnli&#8220; zu. Dort am Fu\u00dfe desselben fand sie eine H\u00f6hle, die ihr zur k\u00fcnftigen Wohnung dienlich schien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>8. Idda in der Einsamkeit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie einstens der heilige Gallus im Dorngestr\u00fcppe, sprach die heilige Idda, da sie von der H\u00f6hle Besitz genommen: &#8222;Hier ist meine Ruhe, hier will ich wohnen immerdar.&#8220; Mit Gebet weihte sie ihre neue Wohnung ein, dann sammelte sie Moos und bereitete sich ein Lager. Sie schlo\u00df die H\u00f6hle gegen die rauhe Witterung, so gut sie vermochte, mit ineinander geflochtenen Baumzweigen. Sie sammelte Beeren und Wurzeln zu ihrem Lebensunterhalte und legte von den getrockneten einen Vorrat f\u00fcr den Winter an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da die Au in der N\u00e4he war, woselbst sich eine von einer fr\u00fcheren Gr\u00e4fin von Toggenburg gestiftete Kirche befand, und ohne Zweifel in der Umgegend sich menschliche Wohnungen befanden, so hat sie sich wohl auch ungekannt Almosen von ihnen erbeten und das Kirchlein dortselbst besucht, sei es um zu beten oder dem Gottesdienste beizuwohnen. Die \u00fcbrige Zeit verwandte sie zu Gebet, Betrachtungen und zur allern\u00f6tigsten Sorge f\u00fcr ihren Lebensunterhalt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welch ein hartes Leben f\u00fcr eine zarte Dame, die dessen nicht gewohnt war! Die Wohnung ganz einsam im Walde unter wilden Tieren! Zum Ruhelager feuchtes, kaltes Moos ohne jedes Bettzeug! Eine kalte H\u00f6hle zur Wohnung, ohne Feuer im Winter in Schnee und Eis! Zur Nahrung getrocknete, kalte Beeren und Wurzeln! Immer die eine und dieselbe Kleidung, welche sie an jenem Tage trug, da sie pl\u00f6tzlich in die Tiefe gest\u00fcrzt wurde! Gar keine Bequemlichkeit, nichts und abermals nichts, was der Natur des Menschen angenehm ist! Und das alles 17 Jahre lang! H\u00e4tte das eine Frau oder ein Mann, selbst an Entbehrungen gew\u00f6hnt, aushalten k\u00f6nnen! Und erst eine junge, zarte Frau, von Jugend auf an alle Bequemlichkeit des Lebens gewohnt! H\u00e4tte es Idda vermocht ohne eine besondere F\u00fchrung und Hilfe Gottes? Selbst der Ungl\u00e4ubige mu\u00df sagen: das ist aus menschlichen Kr\u00e4ften einfach unm\u00f6glich!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu allem dem kommen noch geheime Leiden, K\u00e4mpfe und schwere Versuchungen. Wird die Natur sich nicht emp\u00f6rt haben in dieser Einsamkeit, bei diesem Nachtlager, dieser Nahrung und Kleidung, in eisiger K\u00e4lte, in der langen Finsternis? Die Natur des Menschen ist nicht die, welche sich ohne langen und harten Kampf ergibt. Wir k\u00f6nnen t\u00e4glich diese Erfahrung an uns machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus weiter Ferne leuchtete die geliebte Heimat mit ihrem \u00dcberflusse her\u00fcber. Welcher Gegensatz zwischen ihr und dieser H\u00f6hle in Waldesdunkel und Waldeseinsamkeit! Welche K\u00e4mpfe wird die heilige Idda in diesen Versuchungen bestanden haben; aber auch welche Siege feierte sie!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und die H\u00f6lle, wird die etwa m\u00fc\u00dfig zugesehen haben, wie eine schwache Frau \u00fcber sie triumphierte? Auch diese K\u00e4mpfe, und sie mochten hart gewesen sein, blieben ihr nicht erspart. Au\u00dferdem, da\u00df die b\u00f6sen Geister mit der sinnlichen Natur im B\u00fcndnisse stehen, griffen sie die Heilige auch sonst noch an, soweit es Gott zulie\u00df. Aber Gott gab seiner Dienerin auch Waffen und Kraft, alle diese Angriffe siegreich zu \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir w\u00fcrden indes sehr irren, wenn wir glaubten die Heiligen h\u00e4tten ohne Tost und Freude gelebt. Wenn auf unvollkommene Weltmenschen schwere Leiden eindringen, so geraten sie halb oder ganz in Verzweiflung. Die Heiligen haben wohl auch die Schwere der Leiden, K\u00e4mpfe und Entbehrungen gef\u00fchlt und empfunden, was Schmerz ist. Aber sie haben auch inneren Trost und Wonnegef\u00fchl empfunden, wovon Weltmenschen nicht einmal eine Ahnung haben. Im lautern Umgange mit Gott, genossen sie die Vorfreuden des Himmels. Der Mensch ist einmal von Gott und f\u00fcr Gott erschaffen und er findet au\u00dfer Gott keine Ruhe. Dagegen l\u00e4\u00dft sich nichts tun. Unendlich gl\u00fccklicher war die heilige Idda in ihren Entbehrungen, als der Graf auf der Toggenburg und sein Diener in ihrem \u00dcberflusse, aber mit b\u00f6sem Gewissen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Wer Gott und seine Gnad&#8216; will finden.<br>Der soll Weltfreuden fliehen weit,<br>Gott l\u00e4\u00dft sich finden in der Still&#8216;,<br>Er liebt so sehr die Einsamkeit.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>9. Die heilige Idda wird gefunden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Siebenzehn Jahre lebte die heilige Idda in dieser Einsamkeit und in diesen Entbehrungen und noch hatte sie kein Verlangen, es anders zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da geschah es, da\u00df ein J\u00e4ger des Grafen von Toggenburg einmal tiefer in den Rabenstein hineinkam, dem Wilde nach. Da entdeckte er pl\u00f6tzlich im weichen Waldboden frische, menschliche Fu\u00dftritte. Das fiel ihm in dieser Abgeschiedenheit auf. Sorgf\u00e4ltig ging er der Spur nach und seine Hunde, die ein menschliches Leben witterten, f\u00fchrten ihn bis zur H\u00f6he der heiligen Idda. Da findet er eine Frau in kl\u00e4glichem Zustande. Er gr\u00fc\u00dft sie, und fragt sie um die Ursache ihres Hierseins. Die Heilige erwidert den Gru\u00df mit niedergeschlagenen Augen, und ganz betroffen, da\u00df sie entdeckt sei, gab sie ausweichende Antwort. Indem der J\u00e4ger aber die Frau n\u00e4her betrachtete, glaubte er dieses Antlitz und diese Figur schon gesehen zu haben. Er sinnt nach, erstaunt und meint wieder, er sei im Irrtum. Es ist die in das Tobel gest\u00fcrzte Gr\u00e4fin Idda &#8212; aber sie kann es nicht sein, die ist schon lange tot. Ist es etwa ihr Geist. Das kann auch nicht sein! Es ist ihre Stimme, ihre Gestalt, sie hat Fleisch und Bein, und diese Kleidung und diese H\u00fctte! Nein es mu\u00df sie sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie kommt es doch, gn\u00e4dige Frau, redete sie der Weidmann endlich an, da\u00df ich euch hier finde, da ihr doch seit vielen Jahren von dem schrecklichen Sturze in die Tiefe tot sein m\u00fc\u00dftet. Niemand hat anders geglaubt, als ihr seid tot.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als die heilige Idda sah, da\u00df sie entdeckt sei, sagte sie: Grausam und ohne alles Recht hat der Graf mich hinabgest\u00fcrzt, soda\u00df ich h\u00e4tte ganz zerschmettert sein m\u00fcssen. Aber weil der barmherzige Gott mich durch meinen Engel besch\u00fctzt und erhalten hat, so habe ich mir vorgenommen, mein Leben in der Einsamkeit Ihm ganz zu weihen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gn\u00e4dige Frau Gr\u00e4fin, erwiderte der J\u00e4ger, ich und alle, die euch kannten, haben um euch getrauert und waren von eurer Unschuld vollkommen \u00fcberzeugt. Aber nun hoffe ich, da\u00df euch diese unerh\u00f6rte Unschuld reichlich vom Grafen wird ersetzt werden. Ich f\u00fchle mich gl\u00fccklich, die Nachricht von eurem Leben dem Grafen bringen zu k\u00f6nen. Darum will ich nicht s\u00e4umen, das Wunderbare zu verk\u00fcnden, damit euerem Elende so rasch als m\u00f6glich ein Ende bereitet werde. Gott erhalte euch unterdessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der heilige Idda war es sehr unlieb, entdeckt worden zu sein. Sie \u00fcberlegte, ob sie nicht diesen Ort verlassen und einen andern aufsuchen sollte. Sie wendete sich deshalb zum Gebete. Gar bald erkannte sie in h\u00f6herer Erleuchtung, da\u00df es nun Gott einmal so geleitet habe zu ihrem und ihres Gemahles Heil. Unterdessen flehte sie in hei\u00dfen Gebeten, Gott m\u00f6ge alles zu seiner Ehre und zu ihrem Heile leiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der J\u00e4ger aber eilte auf das Schlo\u00df und begehrte Audienz beim Grafen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Freudig erregt, sagte er: gn\u00e4diger Herr Graf, ich bringe Euch eine wunderbare und wohl sehr angenehme Nachricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">H\u00f6chst erstaunt, wollte der Graf wissen, was das f\u00fcr Nachrichten w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Diener erz\u00e4hlte nun, wie er auf der Jagd am Fu\u00dfe des &#8222;H\u00f6rnli&#8220;, in einer H\u00f6hle eine Klausnerin gefunden und wie er in ihr die versto\u00dfene Gr\u00e4fin erkannt habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Grafen kam die Sache seltsam vor, er konnte nicht glauben, da\u00df Idda noch am Leben sei und hielt immer noch die Strafe f\u00fcr ihre Untreue gerecht. Allein der J\u00e4ger beteuerte hoch, sogar bei seinem Leben, da\u00df es sich so verhalte und Gott h\u00e4tte sie als S\u00fcnderin nicht besch\u00fctzt. Auch habe sie ihre Unschuld beteuert und jedermann, der sie gekannt, habe sie f\u00fcr unschuldig gehalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Endlich siegte nach langem Nachdenken beim Grafen der Glaube an ihre Unschuld und unverz\u00fcglich traf er Anstalten, die Wahrheit der Aussage des J\u00e4gers selbst zu erkundigen. Die Entfernung der Toggenburg bis zu besagter H\u00f6hle betr\u00e4gt 2 Stunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bald waren Graf und J\u00e4ger auf dem Wege gegen das &#8222;H\u00f6rnli&#8220;. Schweigsam und nachdenkend, ritt der Graf voraus bis in die Au, von da an ritt der J\u00e4ger als Wegweiser voran. Als sie nahe an die H\u00f6hle gekommen waren und die heilige Idda sie bemerkte, ging sie dem Grafen ehrerbietig und mit niedergeschlagenen Augen entgegen. So stand sie da und erwartete seine Ankunft. Als der Graf sie erblickte, erkannte er sie sofort und wurde tief ergriffen ob diesem Anblicke. Ihr Antlitz war bla\u00df und abgemagert, ihre Kleider g\u00e4nzlich abgen\u00fctzt und zerrissen, ihre Bescheidenheit, ihre Stimme und auch ihr Benehmen aber waren dieselben geblieben, wie ehedem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Graf erkannte sein Unrecht, er sch\u00e4mte sich seiner Tat; er stieg vom Pferde und warf sich reuevoll der Heiligen zu F\u00fc\u00dfen, sie um Verzeihung bittend. Idda aber hob ihn g\u00fctig auf und sagte: &#8222;Nicht so mein vielgeliebter Herr, ich habe Euch l\u00e4ngst verziehen. Meine S\u00fcndhaftigkeit h\u00e4tte viel gr\u00f6\u00dfere Strafe verdient, aber der barmherzige Gott hat mich am Leben erhalten, damit ich Ihm von Herzen diene. Aber gleichwohl ich eine S\u00fcnderin bin, so bin ich doch des Verbrechens, dessen Ihr mich beschuldiget, g\u00e4nzlich unschuldig.&#8220; Dann fielen sie sich um den Hals und weinten lange. Endlich sagte der reum\u00fctige Graf, da\u00df es ihn tief schmerze, dem elenden Verleumder Glauben geschenkt und ohne Untersuch im J\u00e4hzorne gehandelt zu haben. Von nun an aber wolle er allen Argwohn aus dem Herzen verbannen und ihr noch eine gr\u00f6\u00dfere Liebe schenken als vorher, sie m\u00f6ge jetzt nur wieder mit ihm in ihr Eigentum zur\u00fcckkehren, er werde sich gegen sie so benehmen, da\u00df sie alles Unrecht, das er ihr angetan, vergesse. Der gottlose Verleumder aber m\u00fcsse seine Schuld nun b\u00fc\u00dfen und heute noch sterben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die sanftm\u00fctige Idda jedoch bat den Grafen flehentlich, er m\u00f6ge doch nicht so rachs\u00fcchtig sein. Wie w\u00fcrde es um uns stehen, wenn Gott f\u00fcr unsere S\u00fcnden uns gleich strafen wollte! Er m\u00f6ge es verh\u00fcten, da\u00df ein Mensch ihretwegen ins Ungl\u00fcck gest\u00fcrzt werde. Sie bitte ihn flehentlich, er m\u00f6ge ihm um der Liebe Gottes willen verzeihen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem der Graf, bes\u00e4nfigt durch ihre Bitten, ihr gew\u00e4hrt hatte, um was sie bat, drang er abermals in sie, jetzt mit ihm auf die Toggenburg zur\u00fcckzukehren und da ganz nach ihrem Daf\u00fcrhalten zu schalten und zu walten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allein, die heilige Idda erwiderte: &#8222;Herr Graf, das kann nicht sein! Da Ihr mich versto\u00dfen, Gott aber mich aufgenommen und so wunderbar besch\u00fctzt hat, so habe ich Ihm mein ganzes Leben, Leib und Seele geweiht und gelobt, Ihm allein zu dienen, und nie mehr der Welt oder jemanden anzugeh\u00f6ren. Es w\u00fcrde deshalb Euch und mir nicht frommen, wenn ich mein Gel\u00f6bnis brechen wollte. Auch kann ich Euch versichern, da\u00df ich in meinem Leben nie so gl\u00fccklich war, und so viele himmlische Tr\u00f6stungen empfangen habe, als hier in der Einsamkeit, weil Gott ein lieber Vater seiner Kinder ist. Darum bitte ich Euch, in Geduld und Entsagung, mir meine Bitte zu gew\u00e4hren, da\u00df ich in meinem einsamen Leben zur gr\u00f6\u00dfern Ehre Gottes und zu unserem beiderseitigen Heile fortfahren darf.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um seine Schuld einigerma\u00dfen zu s\u00fchnen, konnte der Graf nicht anders, er mu\u00dfte ihr auch diese gro\u00dfe Bitte gew\u00e4hren. Es kostete ihn Opfer, aber er brachte sie gro\u00dfm\u00fctig. Er anerbot sich aber, ihr alles, was sie nur w\u00fcnsche, zur Verf\u00fcgung zu stellen, sie m\u00f6ge ihm nur die Ehre antun und sagen, was sie begehre. Die dem\u00fctige Dienerin Christi nahm das Anerbieten des Grafen mit Dank an und sagte: &#8222;Weil Ihr denn so gut gegen mich gesinnt seid, so bitte ich, mir an einem abgelegenen Orte ein H\u00fcttlein zu bauen, damit ich in demselben meinem himmlischen Br\u00e4utigam ungehindert dienen kann.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Freuden willigte der Graf ein, seiner Gemahlin einen Dienst zu erweisen, sie m\u00f6ge nur bestimmen, wo das H\u00fcttlein erbaut werden solle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne Nachdenken erwiderte die heilige Idda, es m\u00f6ge dies in der Au geschehen, ganz in der N\u00e4he der Kapelle, welche eine Gr\u00e4fin von Toggenburg zur Ehre der allerseligsten Jungfrau Maria hatte erbauen lassen, damit sie da, im Hause Gottes und Marias ihre Andacht verrichten k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Graf war damit wohl einverstanden und er bot ihr au\u00dferdem an, sie mit Speise und Trank und Kleidung und mit allem, was sie nur w\u00fcnsche, zu versehen. Die Heilige nahm aber nur das Allernotwendigste an. Gott habe sie bisher aus dem Walde und aus Almosen erhalten, sie wolle dabei bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem sie noch lange zur gegenseitigen Erbauung geredet, nahm der Graf tiefger\u00fchrt Abschied von der heiligen Idda und kehrte auf die Toggenburg zur\u00fcck. Das H\u00e4uschen aber f\u00fcr die heilige Idda wurde sofort in Angriff genommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>10. Die heilige Idda in der Au.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kunde von der wunderbaren Erhaltung der heiligen Idda, von ihrer Unschuld und ihrem heiligen Leben, verbreitete sich rasch und alle freuten sich h\u00f6chlich dar\u00fcber. Eine ganz besondere Freude wird die Verwandtschaft der heiligen Idda \u00fcber diese Kunde empfunden haben. Gewi\u00df sind viele zu ihr gepilgert und haben sich an ihrem heiligen Leben erbaut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sobald das H\u00e4uschen erstellt und mit dem Notwendigsten eingerichtet war, wurde die heilige Idda in ihrer Wildnis hievon benachrichtigt und eingeladen, ihre neue Behausung in Besitz zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit kindlichem Danke gegen Gott f\u00fcr alle Hilfe und Wohltaten, die Er ihr in 17 Jahren hatte angedeihen lassen, verlie\u00df sie diese Ein\u00f6de nicht, ohne vorher den Boden mit ihren Tr\u00e4nen benetzt zu haben. Sie glaubte fest, es sei nun so Gottes g\u00fctige Vorsehung. &#8212; Betend und betrachtend stieg sie herab der Au zu und ihr erster Besuch galt der Muttergottes-Kapelle. Mit hei\u00dfen Gebeten empfahl sie sich dem lieben Gott und der lieben Gottesmutter auf ein Neues. Von der ganzen Hauseinrichtung aber, die ihr der Graf besorgt hatte, behielt sie nur das Unentbehrlichste. Das andere schickte sie an den Hof zur\u00fcck, oder teilte es unter die Armen aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier lebte die heilige Idda wieder mehrere Jahre. Ihre Besch\u00e4ftigung bestand in beten, fasten, wachen und andern guten Werken. Sie war dem armen, umliegenden V\u00f6lklein eine wahre Mutter, besuchte sie, tr\u00f6stete sie, unterrichtete sie und nahm gerne einiges Almosen von ihnen an, das ihr lieber war als der \u00dcberflu\u00df des Schlosses; aber auch dieses teilte sie wieder mit den Armen. Nebenbei arbeiterte sie auch. Sie verfertigte Arbeiten f\u00fcr die Kapelle zur Ehre Gottes und manche notwendige Dinge f\u00fcr die Armen, um so durch Abwechslung wieder tauglicher zum Gebete und zur Betrachtung zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil sie so heilig war und gut mit den Bewohnern von Au, so liebten sie auch diese wiederum, klagten ihr ihre N\u00f6ten, lie\u00dfen sich von ihr tr\u00f6sten und achteten sie wie eine Mutter. Der Trost aus solchem Munde und aus solchem Herzen mu\u00dfte wahrlich s\u00fc\u00df sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>11. Die heilige Idda auf ihren Wanderungen nach Fischingen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unweit von der Au, wo die heilige Idda wohnte, befand sich das Benediktinerkloster Fischingen. Es wurde gegr\u00fcndet im Jahre 1138, und zum ersten Abte der M\u00f6nch Waltramus von Petershausen vom Bischof Ulrich II. von Konstanz geweiht. Nach vielen Wechself\u00e4llen und auch Br\u00e4nden wurde es von der thurgauischen Regierung im Jahre 1848 aufgehoben. Jetzt ist es eine Erziehungsanstalt f\u00fcr Kinder, deren sich \u00fcber 200 dort befinden. Ein Direktor aus dem hochw. Priesterstande und ehrw\u00fcrdige Lehrschwestern leiten dieselbe. Die prachtvolle Kirche samt der Iddakapelle wurde im Jahre 1887 sehr gelungen restauriert. Das Verdienst hievon geb\u00fchrt dem jetzigen tatkr\u00e4ftigen hochw. Herrn Pfarrer und Dekan Kornmeier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieses Kloster pilgerte die heilige Idda gar oft und gerne, um daselbst ihre Andacht zu verrichten, dem heiligen Me\u00dfopfer beizuwohnen, die heiligen Sakramente zu empfangen, das Wort Gottes zu vernehmen und ihr Lob Gottes mit dem der M\u00f6nche zu vereinigen. Sie tat dies haupts\u00e4chlich zur Nachtzeit, um den n\u00e4chtlichen Metten der M\u00f6nche beizuwohnen. Wie mochte wohl das Lob Gottes, das in dunkler Nacht durch die R\u00e4ume des Gotteshauses hallte, ihr, die so lange in der Wildnis gelebt, so wohl tun und ihren Geist zu Gott erhoben haben!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie wohlgef\u00e4llig Gott diese \u00dcbung war, zeigte Er durch ein Wunder, denn es erschien der Heiligen ein Hirsch, der in den \u00c4sten seines Geweihes zw\u00f6lf Lichter trug und vor ihr hergehend den dunklen Pfad nach Fischingen beleuchtete. Hatte sie ihre Andacht dort verrichtet, so geleitete sie derselbe Hirsch wieder zur\u00fcck nach Au. Darum wird die heilige Idda mit einem Hirschen abgebildet. Wie sehr wir die heilige Idda \u00fcber dieses Wunder getr\u00f6stet worden sein, weil sie daraus erkannte, da\u00df ihre \u00dcbung Gott angenehm sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein \u00e4hnliches Licht soll auch im Jahre 1584 Religiosen in derselben Gegend aus Verlegenheit geholfen haben. Der ehrw. Pater Stephan, General-Kommissarius, f\u00fchrte zwei Kleriker von Luzern nach Konstanz zur Weihe. Auf dem &#8222;H\u00f6rnli&#8220; \u00fcberfiel sie die Nacht. Sie wu\u00dften sich nicht mehr zu helfen, da sie des Weges unkundig waren. Da munterte der gute Pater Stephan seine Begleiter auf, Gott um Hilfe anzurufen. Indem sie niederknieten und beteten, kam ein heller Glanz vom Himmel, der ihnen den Weg bis Fischingen beleuchtete, woselbst sie liebevoll aufgenommen wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>12. Die heilige Idda in der Klause zu Fischingen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nahe bei dem M\u00f6nchskloster in Fischingen stand ein Frauenkloster desselben Ordens. Die heilige Idda war den Klosterfrauen gar wohl bekannt und weil sie augenf\u00e4llige Zeichen von Heiligkeit an ihr wahrnahmen, hielten sie es f\u00fcr ein gro\u00dfes Gl\u00fcck, wenn diese heilige Frau bei ihnen wohnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus diesem Grunde lie\u00dfen sie die Heilige bitten, sie m\u00f6chte ihr Kl\u00f6sterlein nicht verschm\u00e4hen, sondern zu ihnen kommen und bei ihnen wohnen. Sie wollen ihr in Rat und Tat kr\u00e4ftig beistehen, damit sie nach ihrem Wunsche und Verlangen ihrem Gott und Sch\u00f6pfer dienen k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die heilige Idda nahm die Einladung mit Dank an; denn weil sie in ihrem Alter schon vorger\u00fcckt war und ihre Kr\u00e4fte durch die strenge Lebensweise und ihre harten Entbehrungen abgenommen hatten, der n\u00e4chtliche Gang besonders zur Winterszeit beschwerlich wurde, so erkannte sie in dieser Einladung den Willen Gottes, der f\u00fcr seine Kinder immer nach ihren Bed\u00fcrfnissen sorgt. Auch hoffte sie noch ungest\u00f6rter und eifriger Gott dienen und sich auf den Tod vorbereiten zu k\u00f6nnen, wenn sie so nahe bei ihrem Heilande wohne und t\u00e4glich durch das formme Leben der Klosterfrauen erbaut werde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil sie aber so g\u00e4nzlich an die Einsamkeit gewohnt war und Gott sie f\u00fcr diese bestimmt hatte, machte sie die Bedingung und f\u00fcgte die Bitte bei, man m\u00f6chte ihr eine ganz eigene, abgeschlossene Zelle einrichten, in der sie Gott im vollkommenen Stilleben, ohne eine St\u00f6rung dienen k\u00f6nne. Nachdem ihr dieses Begehren mit Freuden war zugesagt worden, nahm sie von ihrer seitherigen Wohnung in der Au Abschied, zum gro\u00dfen Leid der Umwohner, die nicht anderes, als eine Mutter zu verlieren glaubten. Idda aber tr\u00f6stete sie, versprach ihnen, f\u00fcr sie zu beten, und erlaubte ihnen, sie in ihren Anliegen zu besuchen und Rat zu holen, wenn sie ihnen raten k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da die heilige Idda nicht als Ordensfrau, sondern als Klausnerin verehrt wird, so ist anzunehmen, sie sei in ihrem Alter nicht mehr in den Orden eingetreten, sondern habe ganz abgeschlossen f\u00fcr sich allein Gott gedient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Klosterfrauen nahmen dann die heilige Idda mit Freuden auf und f\u00fchlten sich gl\u00fccklich, eine so heilige Frau in ihrer N\u00e4he zu haben. Es l\u00e4\u00dft sich auch nicht anders denken, als da\u00df sie sich an ihrem Leben und an der Strenge, mit der sie sich behandelte, erbauten und da\u00df ihr gottseliges Leben einen neuen Aufschwung nahm. Sie bem\u00fchten sich, der heiligen Idda dienlich zu sein, wie sie es w\u00fcnschte, ohne ihr irgendwie l\u00e4stig zu fallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>13. Die heilige Idda, vom Teufel geplagt, vermehrt ihre Verdienste.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Leben der Heiligen begegnet uns h\u00e4ufig das feindselige Treiben der b\u00f6sen Geister gegen sie augenf\u00e4llig, nat\u00fcrlich nur mit Zulassung Gottes und mit bestimmten Grenzen. So, um nur einige Beispeile anzuf\u00fchren, im Leben der heiligen Magdalena von Pazzis, im Leben der gottseligen Betha Bona, des gottseligen Pfarrers Vianey von Ars etc., so auch in dem der heiligen Idda.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jahrelang hatte der Teufel der Heiligen zugesetzt, um sie von ihrem Wege abzubringen, dadurch aber ihren Eifer und ihre Verdienste und damit auch das Lob Gottes nur vermehrt. Anstatt, fortw\u00e4hrend betrogen, abzulassen von seinen Neckereien, wuchs sein Ingrimm und seine Angriffe nahmen zu. N\u00e4chtlicher Spuck sollte die Heilige in ihren \u00dcbungen st\u00f6ren. Er warf Steine auf das Dach und an die W\u00e4nde ihrer Zelle, er polterte, warf ihr das Essen um, l\u00f6schte ihr das Feuer und Licht aus und tieb allerlei Bubenst\u00fccke, um sie zur Ungeduld zu reizen. Allein umsonst. Die heilige Idda achtete derlei Torheiten gar nicht, sondern schritt ruhig ihren betretenen Weg weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als die Heilige einmal n\u00e4chtlicherweise ihrer Andacht mit allem Eifer oblag, kam der Widersacher und l\u00f6schte ihr Feuer und Licht aus. Weil sie aber in ihrer Andacht nicht wollte gest\u00f6rt werden, &#8212; wahrscheinlich war sie am Lesen der heiligen Schrift, oder in einer Betrachtung &#8212; und sie keineswegs das Licht wieder anz\u00fcnden konnte, so entbrannte sie in heiligem Eifer und durch Eingebung Gottes streckte sie die Kerze zum Fenster hinaus, rief dem Toten, der ihrer Zelle zun\u00e4chst begraben lag, da\u00df er aufstehe und ihr das Licht anz\u00fcnde. Da geschah ein gro\u00dfes Wunder. Der Tote stand auf, Idda reichte ihm die Kerze und sagte: &#8222;Im Namen und zur gr\u00f6\u00dfern Ehre Gottes, gehe hin und z\u00fcnde mir die Kerze an, welche der arglistige Teufel mir ausgel\u00f6scht hat.&#8220; Der Tote nahm die Kerze, und nachdem er sie angez\u00fcndet hatte, reichte er sie Idda und sagte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Idda, nimm dies Licht aus meiner Hand,<br>Von Toggenburg bin ich genannt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die heilige Idda nahm dem Toten die Kerze ab, und nachddem sie ihm von Herzen gew\u00fcnscht, das ewige Licht m\u00f6ge ihm leuchten, begibt sie sich wieder zu ihrer Andacht, in der sie gest\u00f6rt worden, zum Trotze des leidigen Teufels und dankt Gott f\u00fcr diese Wohltat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gewi\u00df nicht mit Unrecht nimmt der ehrw. Pater Albrecht von Bonnstetten an, der Tote, welcher der heiligen Idda die Kerze angez\u00fcndet habe, sei Graf Heinrich von Toggenburg gewesen, der vor der Heiligen starb, weshal sie auch als Witwe im Brevier steht. Ebenso wahrscheinlich ist es, da\u00df die heilige Idda ihre Zelle sich habe neben dem Grabe ihres Gemahls herrichten lassen. So hat sie ihre treue Liebe zu ihm auch nach seinem Tode gezeigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>14. Der Seligen Sterben und Begr\u00e4bnis.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Wer wohl lebt, stirbt nicht \u00fcbel.&#8220; Die Kr\u00e4fte der heiligen Idda nahmen ab. Sie f\u00fchlte, da\u00df das St\u00fcndlein gekommen sei, in welchem sie mit dem Gegenstande ihrer ganzen Liebe f\u00fcr immer sollte vereiniget werden. In der s\u00fc\u00dfen Hoffnung, ihren g\u00f6ttlichen Br\u00e4utigam bald von Angesicht zu schauen und ihn ganz zu besitzen, flammte ihr Herz nochmals auf. Die Schwingen ihrer Liebe holten zum letzten Fluge aus in diesem sterblichen Leben und trugen sie zu ihrem Herrn. Es gab f\u00fcr sie kein anderes Verlangen und keinen anderen Gedanken mehr, als Jesus ihren Herrn, den dreieinigen Gott. Nur die Liebe zum N\u00e4chsten zog sie noch f\u00fcr Augenblicke erdw\u00e4rts, zu den umstehenden Schwestern, die ob ihrem Abscheiden in tiefe Trauer versenkt, das Sterbelager weinend umstanden. Sie dankte ihnen f\u00fcr ihre Liebe und Obsorge, tr\u00f6stete sie und ermunterte sie zur Beharrung im Guten bis ans Ende.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem sie mit den heiligen Sterbsakramenten versehen war, verharrte sie in stiller Andacht und ohne Kampf schlummerte sie hin\u00fcber in die Ewigkeit. Ihre Seele l\u00f6ste sich los von den Banden des sterblichen Leibes, und sogleich nahm sie der liebe Heiland zu sich; wie Er einstens ihren Leib an sich genommen und ihn in die Tiefe des Rabenstein getragen hatte, so trug Er jetzt ihre Seele in den Himmel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lautes Schluchzen erf\u00fcllte die Zelle, und man begegnete im Kloster nur weinenden Schwestern. Der Leib wurde zum Begr\u00e4bnisse zuger\u00fcstet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es l\u00e4\u00dft sich nicht anders denken, als da\u00df ihr Hinscheiden in Fischingen, in der Au und in der Grafschaft Toggenburg tiefe Trauer hervorrief, welche nur durch das Bewu\u00dftsein gemildert wurde, da\u00df die Trauernden jetzt eine F\u00fcrsprecherin im Himmel haben. Der Todestag der heiligen Idda ist der 3. November.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihr Leib wurde mit gro\u00dfer Feierlichkeit und unter gro\u00dfer Teilnahme des Volkes in der Nebenkapelle des heiligen Nikolaus zur Ruhe gebettet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als die heilige Idda das erste Mal auf der Zinne der Toggenburg stand, da fand ihr Auge an dem Kloster Fischingen einen s\u00fc\u00dfen Ruhepunkt. Jetzt ruht ihr ganzer Leib daselbst und harrt der glorreichen Auferstehung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>15. Von den Wundern am Grabe der heiligen Idda im Allgemeinen und von ihrer Verehrung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil die heilige Idda ein so vollkommenes Leben gef\u00fchrt und Gott schon zu ihren Lebzeiten so Wunderbares an ihr getan, so hat sie das gesamte Volk der Umgegend f\u00fcr eine Heilige gehalten. Daher kam es, da\u00df diejenigen, welche zu ihren Lebzeiten ihr gutes, m\u00fctterliches Herz kennen zu lernen das Gl\u00fcck hatten, nach ihrem Tode ein noch viel gr\u00f6\u00dferes Vertrauen zu ihr hatten, weil sie billig glaubten, ihre F\u00fcrbitte werde jetzt im Angesichte Gottes viel mehr verm\u00f6gen, als da sie noch in diesem Jammertale lebte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb eilten denn viele Bedr\u00e4ngte zum Grabe der Dienerin Gottes, im Vertrauen und auf die Eingebung Gottes, Er werde seine treue Magd, die auf Erden so sehr gedem\u00fctigt wurde und sich selbst dem\u00fctigte, jetzt auch vor der Welt erh\u00f6hen und durch Wunderzeichen ber\u00fchmt machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil denn vielen am Grabe der heiligen Idda in ihren N\u00f6ten geholfen wurde und diese Gebetserh\u00f6rungen bekannt wurden, so str\u00f6mten Gl\u00e4ubige von allen Seiten herbei, um durch die F\u00fcrbitte der heiligen Idda Hilfe zu erlangen und sie beteten nicht umsonst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem die unleugbaren Wunder weit und breit bekannt geworden, und das Volk Idda allgemein als Heilige verehrte, gestattete das Ordinariat von Konstanz, da\u00df sie im ganzen Bistum &#8212; und es war sehr gro\u00df &#8212; verehrt, und im Officium und in der heiligen Messe eine Kommemoration zu ihrer Ehre eingef\u00fcgt werden d\u00fcrfe. Ihr Festtag wurde auf ihren Todestag den 3. November festgesetzt. Ihr Haupt auf dem Bilde wurde von jeher mit dem Heiligenscheine umgeben, wie die aller\u00e4ltesten Bilder zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Z\u00fcrich schenkte der Iddakapelle einen sehr alten Schild. Papst Paul V. (v. 1601-21) nennt sie in seiner Bulle, in welcher der die Bruderschaft der heiligen Idda best\u00e4tiget, eine Heilige, ebenso Gregor XV. in einem Breve, Alexander VII., Klemens IX. und Klemens X. in Bullen, in denen sie Abla\u00df denen gew\u00e4hren, welche der Litanei beiwohnen, die vor dem Altare der Heiligen jeden Samstag gebetet werde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon sehr fr\u00fche wurde zur Ehre der heiligen Idda eine Kirche errichtet in Bauen, Kt. Uri, und ebenso eine Kapelle in Malters, Kt. Luzern. Die Erstere wurde zweimal vom Wasser besch\u00e4digt, aber je wieder aufgebaut; ein Beweis, da\u00df die Verehrung der heiligen Idda in weiten Kreisen gepflegt wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urspr\u00fcnglich ver\u00f6ffentlicht auf funkverein-pegasus.ch im Juni 2012 St. Iddaburg &#8211; Wallfahrtsort zur heiligen Idda &#8211; Einst &hellip; <a title=\"Archivbericht: Die Geschichte der Iddaburg\" class=\"hm-read-more\" href=\"https:\/\/hb9id.ch\/index.php\/2012\/01\/15\/archivbericht-die-geschichte-der-iddaburg\/\"><span class=\"screen-reader-text\">Archivbericht: Die Geschichte der Iddaburg<\/span>Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"class_list":["post-2354","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-chronik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hb9id.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2354","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hb9id.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hb9id.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hb9id.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hb9id.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2354"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hb9id.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2354\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2355,"href":"https:\/\/hb9id.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2354\/revisions\/2355"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hb9id.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2354"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hb9id.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2354"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hb9id.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2354"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}